von: Maximilian Voigt

Mit dem Finish der Challenge Roth ist für mich ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Eine lange Reise der Vorbereitung ist zu Ende gegangen und zurück bleibt vor allem ein Gefühl von Glück, Dankbarkeit und Erfüllung. Ein Gefühl, das die Entbehrungen, Zweifel und Anstrengungen der vergangenen Monate fast vergessen lässt.

Die Reise

Eine Langdistanz im Triathlon zu finishen, war schon lange einer meiner heimlichen Träume. Lange heißt hier tatsächlich seit Mitte 20 nachdem ich meine ersten Marathonerfahrungen gesammelt habe. Gleichzeitig schien dieser Traum lange ziemlich weit weg. Zu groß war mein Respekt vor dem Umfang und zu offensichtlich meine fehlenden Schwimmfähigkeiten.

Umso mehr fühlte es sich fast wie ein Wink des Schicksals an, als sich vor knapp zwei Jahren die Möglichkeit ergab, in unserer Schwimmabteilung einen Platz zu bekommen und genau an dieser Schwäche zu arbeiten. Mit viel Disziplin habe ich mir Schritt für Schritt die Grundlagen erarbeitet, um 2025 erste Triathlonerfahrungen zu sammeln. Unter anderem bei einer Mitteldistanz im Spreewald sowie bei verschiedenen Kurzdistanzrennen in und um Berlin.

Natürlich musste neben dem Schwimmen auch das Rennrad nach längerer Konzentration auf das Laufen wieder abgestaubt werden. Ein neues Rad und bald auch ein zusätzliches Triathlonrad ließen dann nicht lange auf sich warten. Wer beim Triathlon jetzt sofort an Materialschlacht denkt, den kann ich aber beruhigen: Nötig wäre das alles nicht gewesen. Mein „Triathlon-Esel“ ist gebraucht und über zehn Jahre alt. Es muss also nicht immer High-Tech-Equipment sein.

Im Sommer 2025 fühlte ich mich schließlich bereit, ernsthaft über eine Langdistanz im Jahr 2026 nachzudenken. Und damit begann direkt die nächste große Frage: Welches Rennen soll es werden? Hamburg, Frankfurt oder Klagenfurt boten sich an aber natürlich gab es einen klaren Favoriten: die Challenge Roth.

Als der Tag der Anmeldung kam, saß ich bereits um 9:45 Uhr mit Handy, Laptop und Tablet bereit, um Punkt 10 Uhr einen der begehrten Startplätze zu ergattern. Als die Anmeldemaske aufging und wenig später die Bestätigungsmail in meinem Postfach lag, konnte ich mein Glück kaum fassen. Immerhin war das Event nach gerade mal 30 Sekunden ausgebucht.

Gleichzeitig war klar: Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Trainingspläne für die Langdistanz ziehen sich über fast ein Jahr und verlangen einem durch die Kombination aus Schwimmen, Radfahren und Laufen ein hohes Trainingsvolumen ab, das in der Spitze bis zu 16 Stunden pro Woche oder mehr umfassen kann. Ich habe großen Respekt vor allen, die diese Aufgabe neben Beruf, Familie und Alltag angehen. Ohne die Unterstützung durch Freunde und Familie und nicht zuletzt meiner Partnerin Christina wäre das Projekt so sicher nicht möglich gewesen.

Der Weg nach Roth

Ende Juni war es dann soweit: Die Challenge Roth stand kurz bevor. Das Training war nahezu abgeschlossen und wer mich in den letzten Wochen davor erlebt hat, hat vermutlich auch gemerkt, dass diese lange Vorbereitung Spuren hinterlassen hatte. Körperlich, aber auch mental.

Die Einstellung war zuletzt fast nur noch: Jetzt einfach zu Ende bringen. Der Spaß am Sport blieb in dieser Phase manchmal etwas auf der Strecke. Hinzu kam, dass jede Schwimmeinheit bei mir vermutlich allergiebedingt zu erheblichen Einschränkungen beim Schlaf geführt hat. Dadurch musste ich einige Einheiten ausfallen lassen und wusste gleichzeitig sehr genau, dass das Schwimmen weiterhin meine größte Schwäche bleiben würde.

Zusätzlich kam das Zittern wegen des Wetters. Eine Woche vor Roth mussten sich Antonio und Steffen in Frankfurt bei großer Hitze und auf verkürzter Strecke durchkämpfen. Ich habe großen Respekt, dass die Beiden das bei den Bedingungen durchgezogen haben. Die Enttäuschung über eine Verkürzung konnte ich trotzdem gut nachvollziehen. Nach einem Jahr Vorbereitung freut man sich natürlich nicht über eine Herabstufung der Distanz.

Als der Wetterbericht für Roth schließlich eine Abkühlung vorhersagte, war die Erleichterung groß. Eine Sorge blieb aber: das mögliche Neopren-Verbot beim Schwimmen. Für alle, die nicht so tief im Thema sind: Der Neoprenanzug hilft enorm. Er verbessert die Wasserlage, sorgt für zusätzlichen Auftrieb und macht das Schwimmen dadurch spürbar leichter. Ab einer bestimmten Wassertemperatur ist er wegen Überhitzungsgefahr allerdings nicht mehr erlaubt. Nach der Hitzewelle und hohen Temperaturen im Main-Donau-Kanal war die Hoffnung zunächst gering und die Unruhe vor dem Wettkampf entsprechend groß.

Angekommen in Roth waren dann aber fast alle Bedenken wie weggeblasen. Der Beiname „Home of Triathlon“ ist dort nicht nur Marketing, sondern wirklich erlebbar. Die ganze Region verwandelt sich rund um das Rennwochenende in ein einziges Triathlon-Mekka. Die Messe hat fast die Größe eines kleinen Dorfs, überall hängen Banner, die die Sportlerinnen und Sportler willkommen heißen, und auf den Straßen sieht man Läufer, Radfahrer und Menschen mit leuchtenden Augen.

Beim Check-in war die Wettkampf-Aufregung dann endgültig angekommen. Trotz aller Listen und Vorbereitung hatte ich natürlich Socken und Sonnenbrille vergessen. Zum Glück ließ sich beides noch auf der Messe nachkaufen. Viel wichtiger als diese kleinen Pannen war aber die Unterstützung vor Ort: Die Anreise mit meinem Schwager und die Unterkunft bei meiner Schwester waren ein großer Glücksfall und haben mir in all der Aufregung sehr viel Halt gegeben.

Die Challenge

Schon der Schwimmstart war kaum zu beschreiben. Die vielen Menschen, die Atmosphäre, die Anspannung und dann der Moment, in dem es endlich losgeht. Als ich nach 3,8 Kilometern aus dem Wasser kam, war die erste große Erleichterung da: Die schwächste Disziplin war geschafft und das trotz Neoprenverbots.

Danach folgte der längste Teil des Tages: 180 Kilometer auf dem Rad. Lang kam es mir aber erstaunlicherweise nicht vor. Die Strecke war abwechslungsreich, hatte den einen oder anderen Anstieg zu bieten und wurde durch die vielen Stimmungsnester entlang der Strecke immer wieder aufgeladen. Und dann kam der Solarer Berg.

Diese Einfahrt ist schwer in Worte zu fassen. Jubelnde Menschenmassen links und rechts, ein Tunnel aus Lärm, Energie und Emotionen. Ein Moment, den man als Sportler vermutlich nie wieder vergisst.

Als ich nach 180 Kilometern in die zweite Wechselzone kam, fühlte ich vor allem eines: Euphorie. Selten habe ich mich so sehr darauf gefreut, „nur noch“ einen Marathon laufen zu müssen. Laufen war meine am besten trainierte Disziplin und ich konnte es mir nicht verkneifen, der Helferin in der Wechselzone freudestrahlend mitzuteilen, wie sehr ich mich jetzt auf den Lauf freue.

An dieser Stelle auch ein großes Lob an all die Helferinnen und Helfer. Ob an den Verpflegungsstationen, in den Wechselzonen oder entlang der Strecke: Überall waren Menschen, die motiviert, aufmerksam und herzlich unterstützt haben. Sie sortieren Taschen, reichen Verpflegung, sprechen Mut zu und machen diesen Tag für die Athletinnen und Athleten überhaupt erst möglich.

Der Marathon verging dann tatsächlich fast wie im Flug. Trotz etwas Eintönigkeit und kräftigem Gegenwind entlang des Kanals blieb die Stimmung hoch. Dabei half sicher auch, dass ich immer wieder überholen konnte und natürlich, dass Christina, mein Schwager und meine Schwester an der Strecke standen und ordentlich angefeuert haben.

Nach der Steigung vor Büchenbach und auf der Runde um den Weiher konnte ich mir die Freudentränen kaum noch verkneifen. Nicht einmal mehr zehn Kilometer. Größtenteils bergab. Der Traum war plötzlich nicht mehr weit weg, sondern fast greifbar.

Im Ziel kamen dann die Tränen der Erleichterung und Freude. Nach Monaten der Vorbereitung, nach Zweifeln, müden Beinen und kleinen Krisen war klar: Ich habe es geschafft.

Was bleibt

Was bleibt, ist mehr als nur ein Finish bei einem Rennen. Es ist die Erfahrung, dass es nicht zu spät ist, sich Träume zu erfüllen auch dann nicht, wenn sie lange unerreichbar wirken.

Die Challenge Roth muss man erlebt haben. Die Stimmung, die Menschen, die Region und die vielen kleinen Momente machen dieses Rennen zu etwas Besonderem. Auch wenn ich im kommenden Jahr sportlich dort vermutlich aussetze, kann ich mir gut vorstellen, als Helfer an der Strecke zu stehen und etwas von dieser Unterstützung zurückzugeben.

Denn Roth hat mir gezeigt: Manche Ziele sind größer als die reine sportliche Leistung. Manchmal geht es darum, sich auf den Weg zu machen und am Ende festzustellen, dass genau dieser Weg der eigentliche Traum war.